Rilkes Gedicht „Der Auszug des verlorenen Sohnes“ fängt mit dieser Strophe an:
Nun fortzugehen von alledem Verworrnen,
das unser ist und uns doch nicht gehört,
das, wie das Wasser in den alten Bornen,
uns zitternd spiegelt und das Bild zerstört.
Unser Besitz gehört uns im gesetzlichen Sinn, aber oft gehört er uns nicht im geistigen Sinn. Wir hoffen vergeblich, dass wir mit feiner Kleidung und schnellen Autos und überheblichen Herrenhäuser unsere Individualität ausdrücken können, aber das Spiegelbild des Verstandes im Reich des Reichtums kann nie in der Tat die höchste Teile des Verstandes darstellen. Das Bild ist immer verworren und verfälscht. Das kommerzielle Gewühl des Menschengeschlechts ist wie ein turbulenter Bach. Um den Verstand genau zu spiegeln, braucht man keinen Besitz, keinen Handel, sondern nur Ruhigkeit und Stille. Der Dichter und der Künstler können manchmal mit ihrer Kunst ihre Individualität ausdrücken. Der bürgerliche Geschäftsmann kann nie. Rilke empfiehlt, dass wir von unserer seelenlosen spießbürgerlichen Existenz so bald wie möglich fliehen. Wer ist ein spießbürgerlicher Geschäftsmann, wenn nicht ich? In Amerika sind wir alle Geschäftsmänner. Auch unsere Kirchen sind Handelsunternehmen. Nach meiner Auslegung ist diese Strophe eine starke und dringende Herausforderung, Handel und Suche nach Reichtum aufzugeben.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen