In einigen anderen Fällen haben Kritiker aus ihrer Auslegung vom Werk eines Künstlers gefolgert, dass ein Künstler eine ähnliche Entsagung der Schönheit geschworen haben musste. Ein ausgezeichnetes Beispiel für eine solche gefolgerte Entsagung kann man in Hermann Cohens Auslegung von Rembrandts Werk finden. Nach Cohen verschmäht Rembrandt die traditionelle schöne Gesichtskunde. Rembrandt sucht Schönheit nicht im Leib, sondern in der Seele—oder genauer gesagt, in die Haltungen des Gesichts und des Körpers, die den Geist offenbaren. Angesichts dieser Auslegung würde ich vorschlagen, dass Rembrandts Entsagung der Schönheit vielleicht den Zweck hat, eine reinere, geistigere Art der Schönheit zu entdecken, und davon Zeugnis abzulegen. Ein Beispiel (auf das Cohen in anderem Kontext hinweist) ist Rembrandts 1634 Gemälde Suzanne (siehe Abbildung). Die dargestellte Figur ist nicht schön im klassischen Sinn. Aber ihre Miene und die Position ihrer Glieder bezeugen eine Unschuld und eine Reinheit, die auf eine innere Schönheit hindeuten.
Rembrandts künstlerischer Zweck ist, nach Cohen, die „Einheit“ von der Seele und dem Leib zu zeigen. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint Rembrandts Schönheitsentsagung ganz verschieden von Hopkins’ Schönheitsentsagung. Hopkins will den Leib verurteilen und aufgeben—vielleicht als Selbstbestrafung. Dahingegen will Rembrandt den Leib verwandeln, zu einer reineren Darstellung des Geistes.
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